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Die Insel Aitutaki, die zu den Cook Islands gehört, ist nicht nur ein echtes Paradies, sondern auch das Zuhause von Aki. Über einen Maori und sein Lachen.

 

„Kia Orana in paradise“, ruft ein braungebrannter Mann mit breitem Grinsen durch den Bus. Süßes Nichts zieht am Bus vorbei. Viel gibt es hier nicht. Ein paar Hütten, ein paar Läden und ein riesiges Containerschiff, das hinter dem Riff wartet, bis die kleinen Boote der Einheimischen ihre Monatsration an überdimensionalen Shampooflaschen, Cornflakes-Packungen und anderen wichtigen Dingen für ihren Alltag abholen.

Das brache Land ist Aitutaki, ein Atoll, das zu den Cookinseln im Südpazifik gehört. Der Mann im Bus, der noch immer grinst, heißt Aki. Ein echter Cook Insulaner, der von sich selbst behauptet, der beste Reiseführer, der beste Tänzer und der beste Entertainer gleichzeitig zu sein. Zumindest weiß er, wie er den Gästen im Bus ein kleines Grinsen ins Gesicht zaubern kann.

Eine dichte Wolkendecke durchzieht den sonst so klaren und sonnigen Himmel des Atolls. Dahinter scheint sich Akis Paradies zu verstecken. Der Bus holpert über die unebenen Straßen der Insel. Vor knapp sieben Jahren wurde Aitutaki von einem verheerenden Wirbelsturm heimgesucht, der den Großteil aller Häuser auf der Insel zerstörte. Noch heute sind die Einheimischen mit dem Wiederaufbau ihrer Insel beschäftigt und werkeln selbst an ihren Hütten, an den Schulen und am Krankenhaus. Trotz der harten Arbeit versprühen die Einwohner Aitutakis eine Lebensfreude, die so ansteckend ist, dass sie selbst durch die dicken Fenster des Busses dringt – und sich schnell in den Mundwinkeln der Touristen widerspiegelt, wo sie während des Besuchs auf Aitutaki bleibt. Und dieser wird mit großer Wahrscheinlich unvergesslich. Zumindest wenn es nach Aki geht.Aitutaki-Cook-Islands-Vaka Dieser hüpft fidel aus dem Bus. Seine Schuhe lässt er zurück. Ob er sie je wirklich anhatte? Seine Unbekümmertheit lässt den Betrachter so einiges hinterfragen. „We are here“, ruft er in die Tiefen des alten Schulbusses und fordert mit einem lässigen Wink zum Folgen auf. Dann geleitet er die immer noch grinsende Touristenmasse auf ein wackliges Gefährt, das er liebevoll Vaka nennt. Das Vaka ist eine Art Floß, das in den nächsten Stunden über das seichte Meer vor dem Inselparadies Aitutaki gleiten wird. Die Betonung liegt auf Gleiten. Und dabei wird es auch bleiben.

Bewegung herrscht hier kaum, denn durch ein Riff wird das Eiland in eine unsichtbare Schale gepackt und so vor den Wellen und Strömungen, die hinter dem kreisrunden Riff lauern, geschützt. „Don’t go beyond the reef“, spukt einem bei diesem Anblick sofort der breitkreuzige Vater des Inselmädchens aus dem Disney-Film „Vaiana“ durch den Kopf.

Das Rauschen der Wellen, die hinter der Riff-Grenze gegen die Korallen peitschen, wird größer mit jedem Meter, den das Vaka näher kommt. Nur vage ist die Vorstellung daran, wie es wohl hinter dem Riff, hinter der fast unsichtbaren Abschottung des seichten Wassers von Aitutaki, zugehen mag.

„Die große Flotte“ entdeckt Neuseeland

Einzig Akis Vorfahren werden dies wissen. Denn zwischen dem 13. Und 14. Jahrhundert machten sich die ersten Polynesier auf den Weg hinaus auf die raue See. Aus Fidschi, Tonga, von den Gesellschaftsinseln und eben auch von den Cookinseln schipperten sieben Kanus, Vakas, los, um ein neues Zuhause zu finden. Gefunden haben sie dann ein Land, das heute als Neuseeland bekannt ist. „Die große Flotte“, eben Akis Vorfahren, waren Teil der ersten großen Einwanderungswelle der Polynesier und auch die Entdecker eines heute beliebten Reiseziels.Aitutaki-Cook-Islands-One-Foot-IslandAki wiederum mag keine Abenteuer. Er liebt das Gewohnte. Das, was er schon seit Jahren tut: Touristen durch sein Zuhause schippern und Ukulele spielen. Das Grinsen ist ihm dabei wohl angewachsen.

Stehen geblieben scheint auch die Zeit, in der das Vaka seit dem Ablegen vom sicheren Strand durch das Wasser geglitten ist. Es ist umgeben von türkisfarbenem Meer, das in allen möglichen Blautönen erstrahlt. Mal ganz hell, mal ein wenig dunkler. Doch nie so dunkel, dass der Meeresboden nicht mehr zu erkennen ist.

Der Himmel bricht auf und die letzten dicken Wolken, die bisher den Weg für die Sonne versperrt haben, verschwinden am Horizont. Aitutaki erstrahlt, die Luft wird wärmer und der Klang der Ukulele in Akis Arm noch passender, als er sowieso schon war. Sanft gleitet das Vaka durch die Lagune. Fast so, als würde es sich zum Rhythmus der Musik bewegen. Immer wieder bilden sich kleine Wellen hinter dem Vaka, die die Meeresoberfläche ein wenig in Bewegung bringen und dabei ein leises Rauschen erzeugen. Das reicht an Action. Die kleinen Wellen erzeugen Spiegelungen auf dem Meeresboden, während die Sonne erste Schweißperlen auf die Nase treibt. Sie könnten genauso gut Freudentränen sein.

Aitutaki – Dort, wo Himmelblau einen Übergang in das Meer findet

Immer noch ist das Grinsen auf den Gesichtern aller kaum wegzukriegen. Kein Wunder, denn Aitutaki protzt. Bilderbuch-Palmen, farbige Fischschwärme, die ihre gewohnten Runden ziehen und ein Himmelblau, das nahtlos in das Blau des Meeres übergeht. Aki schaut in die Ferne. Mit der Ukulele in der Hand steht er ganz vorne am Vaka. So, wie es ganz sicher auch einige seiner Vorfahren getan haben, die hinaus aufs Meer zogen und Neuseeland entdeckten. Eine passende Geschichte für jene Menschen, die ein so großes Herz haben, in dem wirklich jeder, auch jeder Tourist, einen sicheren Platz findet. Nichts wirkt hier gekünstelt. Obwohl das Wasser in der Lagune zugegebenermaßen unwirklich scheint.Aitutaki-Cook-Islands-PalmenAitutaki-Cook-Islands-KrabbeMittlerweile hat das Vaka einen sicheren Anlegeplatz gefunden. Zeit zum Schnorcheln. Aki ist natürlich als erster im Wasser. Mit einer Rückwärtsrolle landet er in seinem Wohnzimmer. So nennt er es, das Meer, das an einen riesigen Pool erinnert. Gekonnt. Geübt. Geprobt. Aki macht das schließlich schon seit Jahren. Mindestens so gekonnt, wie seine heutigen Besucher zu Hause in ihre Autos steigen, um zur Arbeit zu fahren, hüpft Aki ins Wasser. Der kurze Arbeitsweg ist schnell vergessen. Die Touristen hüpfen hinterher. Gekreische, Gelächter, Gequatsche. Aus der einst so verschlossenen und zögernden Gruppe scheint plötzlich eine Familie geworden zu sein. Und das Vaka ihr Zuhause. Wie Unterwasserlemminge manövrieren sich dutzende neongelbe und neonpinke Schnorchel durch das Wasser. Alle tragen viel zu enge Taucherbrillen mit Vergrößerungsglas. Plötzlich wirken die Korallen in ihren knalligen Farben noch näher, die ohnehin schon großen Fisch fast überdimensional. Der Sand am Boden ist zum Greifen nah. Meter für Meter geht es voran. Sorgen und Gedanken? Die haben sie allesamt am Festland gelassen. Die Neongruppe ist umgeben von unterarmgroßen Fischen, die „nur spielen wollen“, wie Aki versichert. Dieser begrüßt sie alle persönlich und nimmt sie nach und nach in den Arm. Ja, er spielt richtig mit ihnen, als wären es Haustiere. Währenddessen werden die ersten Touristen von den glitschigen Getieren berührt und umgarnt. Aki freut sich und lässt sich entspannt durch den riesigen Fischschwarm der großen Fische treiben.Aitutaki-Cook-Islands-Einzelne-PalmeDann landen Schnorchel und Taucherbrillen wieder an Bord. Das Vaka zieht weiter. Schnell füllen Akis fröhliche Ukulele-Klänge wieder die stille Luft. Sehnsüchtige Blicke umschweifen den Horizont. Hände streifen durch das glasklare Wasser. Und Mundwinkel werden immer weiter nach oben gezogen. Bald verschwindet Aitutaki am Horizont.

Dafür werden die perfekt gebogenen Palmen, die kurz über dem Meer in eine Horizontale treten, mit jedem Meter sichtbarer, der weiße Sand der Sandbank immer klarer. One Foot Island heißt dieses kleine Stück Land, das sich kurz vor dem Riff befindet und auf das das Vaka nun zusteuert.

Die Insel ist weder bewohnt, noch bebaut, und einzig für ihren perlweißen, langen Sandstrand bekannt. Und für die kleinste Postfiliale der Welt, die hier seit vielen Jahren große Stempel eines Fußabdruckes in die Reisepässe der Touristen haut.

Während seine Gäste eben dieses Prozedere über ihre Dokumente ergehen lassen, sitzt Aki im seichten Meer. Unzählige Male habe er One Foot Island schon besucht, sagt er. So oft, dass sein Reisepass schon längst voll gewesen wäre, hätte er sich immer den Stempel geholt. Das überlässt er lieber den Besuchern. Er lässt seinen Blick über das Meer schweifen, die Sonne steht fast am höchsten Punkt des Tages. Und was macht Aki? Er grinst. Darüber, dass er dies alles sein Zuhause nennen darf, dass die Schlange vor der Postfiliale immer länger wird und dass er bereits morgen wieder sein Vaka besteigen und durch sein Wohnzimmer schippern wird. Durch sein kleines Paradies.

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Die Reise wurde unterstützt vom Flughafen München, Tourism Cook Islands und der Star Alliance. Mehr zu unseren Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit gibt es hier.

  1. Türkisfarbenes Wasser – blauer Himmel – sattes Grün auf dem Land – glückliche Menschen.
    Der Mensch hat die Gabe, aus jedem Ort ein Paradies zu machen: er muss die Natur nur sich selbst überlassen.
    Sehr schöner Bericht mit wunderbaren Fotos. Paradiesisch!

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