Cat Island Bahamas: Sehenswürdigkeiten und Tipps

Einfach mal nichts tun, einfach mal abschalten, komplett allein sein. Cat Island auf den Bahamas ist eine solche Oase, die fernab von Kreuzfahrtschiffen und schwimmenden Schweinen die echte Seite des Inselstaats zeigt.

Als wir am Morgen in die kleine Propellermaschine am Flughafen von Nassau steigen, haben wir keine Ahnung. Wir wissen nicht, dass wir unseren Puls in den nächsten Tag nahe an den buddhistischen Perfektionswert bringen werden. Alles was wir wissen ist, dass der lange Flug am Vortag noch zu spüren ist. Elf Stunden waren es, die wir bis in das Inselparadies der Bahamas brauchten.

Einen Abend haben wir in Nassau, der kleinen pulsierenden Hauptstadt der Bahamas, verbracht, in der in Hochzeiten bis zu acht riesige Kreuzfahrtmonster liegen.. Es ist die Stadt, die einmal im Jahr von trinkwütigen amerikanischen Jugendlichen heimgesucht wird, um hier die Spring Break zu feiern. Endlich ein Ort, an dem auch unter 21-jährige Amerikaner ein leichtes Lager trinken dürfen. Doch dem ganzen kehren wir den Rücken.

Die Sonne knallt ordentlich durch das Dach des Flughafens in Nassau. Selbst die Klimaanlage hat ihre Schwierigkeiten dagegenzuhalten. Ein netter Mann mit knallgelber Warnweste führt uns einmal quer über den Flugplatz zu unserer kleinen Maschine, die zur Airline „Pineapple Air“ gehörte. Wie passend.

Wir starten. Während die anderen acht Passagiere unberührt schlafen, breitet sich unter uns die Karibik aus: schaumbedeckte Riffe, klitzekleine Inseln mit Palmen drauf, Sandbänke und eine ganze Farbpalette an Blautönen. Das sind sie also, die Bahamas. In Sekundenschnelle fliegen die Gedanken an Nassau, an trinkende Amerikaner und an riesige Kreuzfahrtschiffe in das hinterste Drittel des Kopfes. Was jetzt zählt, ist die Malpalette mit Blau- und Türkistönen, die sich unter uns ein Wechselspiel liefert.Cat Island Bahamas: Sehenswürdigkeiten und TippsNach einer knappen halben Stunde setzt das Flugzeug auf. Wir landen an einem der kleinsten Flughäfen, die wir jemals erlebt haben. Das Terminal ist nicht größer als das Standardwohnzimmer in einer Berliner Altbauwohnung. Das Gepäck wird per Hand auf einem Trolley über das kleine Feld gerollt und jeder nimmt sich seinen Rucksack oder Koffer selbst.

Ein leichter Wind durchzieht die 27 Grad warme Luft, die an diesem Mittag schon ordentlich aufgeheizt ist. Vor dem kleinen Flughafengebäude stehen ein paar der 1500 Einwohner von Cat Island, einem knapp 400 Quadratkilometer großem Eiland, das recht wenig mit Katzen zu tun hat.

Viele Touristen hat Cat Island bisher nicht. Das liegt daran, dass die Insel weniger hippe Restaurants hat, als andere, keine schwimmenden Schweine und keine High-Class-Hotels. Viel mehr sind die Straßen hier leer und schroff, der Wegesrand gesäumt von pittoresken verlassenen Gebäuden und die Strände so herrlich unberührt, dass man eigentlich kaum mehr Menschen hier haben will.

Vom Flughafen aus führt die Straße ein kurzes Stück durch das Zentrum der Insel, New Bight. Rechts direkt am Meer reihen sich knallbunte Essensstände aneinander. Es gibt Burger, Pommes und Conch. Letzteres ist das Nationalgericht der Bahamas. Conch bezeichnet das Fleisch einer Schnecke, das hier frittiert, gekocht und kleingeschnitten im Salat landet. Früh am Mittag sind die Stände noch leer. Einzig ein alter Herr steht an seinem Stand, vor ihm zwei Touristen, die in der Gegend mit dem Segelboot unterwegs sind. Bei einem eiskalten Bier lauschen sie dem kleinen Fernseher hinter ihm, auf dem eine Dokumentation über Äthiopien läuft. Ein Land, das weit weg und doch so nah scheint.Cat Island Bahamas: Sehenswürdigkeiten und Tipps

Wir folgen der Straße weiter in Richtung Inselsüden, immer entlang des Meeres und bis sich auf der linken Seite ein kleiner Hügel ausbreitet. Die höchste Erhebung der Bahamas befindet sich auf Cat Island. Der Mount Alvernia ist schlappe 63 Meter hoch und das Zuhause des kleinen Klosters „The Hermitage“. Wie eine Fata Morgana erscheint es nach einem Aufstieg von zehn Minuten: knallweiß, ruhig und mit einer ganz besonderen Aura. Hier, so erzählen sich die Insulaner, soll ein Mönch gelebt haben. Noch heute kann man seinen Brotofen anschauen und sich vorstellen, wie abgeschottet und paradiesisch schön hier sein Leben wohl gewesen sein mag.

Auf Cat Island macht man nicht viel. Es geht um das Nichtstun, um das Fallenlassen und vor allem darum, mal wieder allein zu sein an einem Ort. Die Straßen der Insel sind häufig so leer, dass man herumkugelnde Blätter beobachten kann und an den Stränden ist man meist völlig allein. Ein Luxus, den wir selten haben und an den wir uns vielleicht erst einmal wieder gewöhnen müssen, bevor wir uns richtig fallen lassen können.

Plötzlich beginnt der Tag mit einem Buch, die Zehe in den Sand gestreckt. Plötzlich sind alle Verpflichtungen weg. Und plötzlich hat man an einem Tag nicht mehr zu tun, als kurz mal etwas essen zu gehen.Cat Island Bahamas: Sehenswürdigkeiten und Tipps

„Oh, wir lieben das Wetter“, erzählt Dean, als wir in seiner Bretterbude „Da Pink Chicken“ sitzen, ein Bier trinken und uns anschauen, wer sich hier so alles verewigt hat. Zusammen mit seiner Frau Patty, einer Einheimischen, hat er vor ein paar Jahren einen kleinen Laden eröffnet, in dem sie typische Inselgerichte verkaufen. Das Flair ist einfach und so, wie es eben auf einer kleinen Insel sein sollte. Es gibt Flaschenbier, einfache Gerichte auf Papptellern und einen Ausblick auf kristallklares Wasser, das hier noch seichter und noch traumhafter wirkt, als sonst wo auf der Insel. Was Dean mit dem Wetter meint, ist für einige Touristen gar nicht so toll. „Wenn es hier regnet und windig ist, dann können wir endlich wieder kuscheln“, erklärt der breite Amerikaner, der früher genau hier der Postbote war und heute an gleicher Stelle gemütlich seinen Rotwein trinkt – bei 27 Grad, leichtem Wind und kleinem Schauer. Ist das der tropische Winter?

Nein, es sind die Kleinigkeiten, die den Cat Islandern hier auf ihrem unberührten Eiland den Alltag noch mehr versüßen. Und während Dean weiterhin an seinem Rotwein nippt, kühlen wir uns mit einem Bier ab, den Blick auf das Meer gerichtet, das genauso ruhig ist, wie die ganze Insel an sich. Endlich mal runterfahren. Endlich mal nichts tun. Eine so einfache Sache, die wir doch verlernt haben.

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Die Reise wurde unterstützt vom Bahamas Tourismus. Mehr zu unseren Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit gibt es hier.

  1. Cat Island – der Name gefällt mir. Es klingt wahnsinnig idyllisch. Allerdings hätte ich auch ein bisschen Angst, dass man nur mit dem Propellerflieger da hin kommt und so abgeschieden ist. Schön, dass ihr euch so richtig entspannen konntet!

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