Tommy Fung Instagram Star? Der Gründer von Surreal HK bezeichnet sich eher als Künstler.

Ein fliegendes Hongkong Taxi à la DeLorean? Schnee in Hongkong? Kein Problem. Der in Hongkong geborene und in Venezuela aufgewachsene Künstler Tommy Fung baut sich einfach seine eigene Welt. Auf dem berühmten Instagram-Kanal Surreal HK postet er seine Photoshop-Kunstwerke aus Hongkong. Travellers Archive hat ihn getroffen.

Wenn in Hongkong die Sonne aufgeht, sind die meisten Einheimischen schon längst wach. Der Tag fängt hier früh an. Dann stürmen Businessmänner in ihren Anzügen über die Straße, hübsch angezogene Damen springen in die U-Bahn und Kinder schlendern in ihren Uniformen zur Schule. In einigen Ecken brutzeln bereits die Garküchen in weiser Voraussicht auf die Mittagspause, die hier schnell und effizient vonstatten geht.

Hongkong ist einzigartig, es ist charmant und es ist das Zuhause verschiedenster Kulturen, Nationen und Sprachen.

Für Tommy Fung, der Mann hinter dem Instagram-Kanal Surreal HK, ist Hongkong nicht einfach nur das Zuhause. Ganz im Gegenteil. Für ihn bedeutet Hongkong ein sich stets wandelndes Kunstwerk, das er sich eben so gestaltet, wie es ihm gefällt. In den letzten Jahren hat er immer mehr seiner Arbeiten auf seinem Instagram-Kanal Surreal HK veröffentlicht. Heute bekommen seine Kunstwerke, in denen es in Hongkong schneit, das Meer zugefroren ist oder Taxis über die Skyline fliegen Tausende von Likes.

Ist das sein Weg, um in eine neue Welt einzutauchen? Ein Weg, um dem Stress Hongkongs zu entkommen? Ein Weg, um seinen eigenen Gedanken freien Lauf zu lassen? Eine Erklärung für seine Kunstwerke hat Tommy nicht so wirklich. Er sieht alles als Kunst – und das ist alles, was zählt.

Travellers Archive hat ihn für ein Interview getroffen und herausgefunden, woher er seine Inspiration nimmt und wieso er niemals sein eigens Leben für ein Foto auf’s Spiel setzen würde – oder doch?Tommy Fung Instagram Star? Der Gründer von Surreal HK bezeichnet sich eher als Künstler.

Tommy Fung Instagram Star? Der Gründer von Surreal HK bezeichnet sich eher als Künstler.

TRAVELLERS ARCHIVE: Surreal Hong Kong, wie hat alles angefangen?

TOMMY FUNG:  Alles hat damit angefangen, dass ich nach 20 Jahren in Venezuela wieder zurück nach Hong Kong gezogen bin. Das hat mir die Möglichkeit gegeben, was Neues zu machen und komplett bei Null anzufangen. Nachdem ich mir angeschaut habe, was die anderen Fotografen in Hongkong machen, fiel mir auf, dass niemand Photoshop nutzt, um Bilder zu kreieren, also hab ich es ausprobiert.

TRAVELLERS ARCHIVE: Lang gestreckte Taxis, Hongkong auf dem Kopf – wo holst du die Inspiration her, Tommy?

TOMMY FUNG:  Meine Inspiration für solche Bilder finde ich überall. Manchmal sind es die Nachrichten, die mich inspirieren, manchmal Filme oder Serien und manchmal spaziere ich einfach durch die Straßen, schieße Fotos und schaffe dann surreale Situationen.

TRAVELLERS ARCHIVE: Befinden sich versteckte Nachrichten in deinen Bildern?

TOMMY FUNG:  Meine Kunstwerke sind alle offen für jegliche Interpretationen. Meistens aber spiegeln sie eigentlich nur meine Sicht der Dinge wider. Es ist einfach meine Art und Weise, mich auszudrücken und jeder kann darin sehen, was er oder sie will und vielleicht auch versteckte Nachrichten in Bildern lesen, in denen sich eigentlich gar keine Nachrichten befinden.

TRAVELLERS ARCHIVE: Sind deine Arbeiten politisch oder kritisch gegenüber gesellschaftlichen Themen?

TOMMY FUNG:  Eigentlich sind sie nur so kritisch, wie jeder andere normale Mensch auch kritisch sein würde. Politische Nachrichten mag ich sowieso nicht wirklich.

TRAVELLERS ARCHIVE: Was war das bisher gefährlichste, das du jemals für das eine gute Foto gemacht hast?

TOMMY FUNG:  Das war vielleicht, als ich auf den Kowloon Peak gegangen bin, den man übrigens auch “Suicide Cliff”, also die Klippen des Selbstmords nennt. Eigentlich war das ganz sicher, ich bin aber einfach kein Fan von Höhen und deswegen war die ganze Situation für mich schon ziemlich gefährlich. Ansonsten würde ich weder mich noch andere für ein Foto in Gefahr bringen. Dafür gibt’s doch Photoshop!

TRAVELLERS ARCHIVE: Eines deiner Fotos zeigt die brühmte Hongkonger Straßenbahn “Ding Ding” im Schnee. Wünschst du dir das?

TOMMY FUNG: Ja, es wäre schon ziemlich cool, wenn das mal in Hongkong passieren würde. Allerdings würde Schnee in Hongkong wohl das Ende der Welt bedeutet.

TRAVELLERS ARCHIVE: Hast du ein Lieblingsfoto?

TOMMY FUNG: Das fliegende Taxi, das so aussieht, wie Delorean in “Zurück in die Zukunft” mag ich sehr, aber auch die Unterwasserfrau in den Montane Mansions.

TRAVELLERS ARCHIVE: In einem Interview mit CNN hast du gesagt, dass du deinen Instagram-Kanal gestartet hast, weil du realisiert hast, wie unglücklich die Hongkonger eigentlich sind. Hast du dafür eine Erklärung?

TOMMY FUNG: Vielleicht arbeiten sie zu viel, vielleicht bekommen sie nicht genug Geld für all die Überstunden, die sie machen, vielleicht sind die Mieten zu hoch, vielleicht leben hier zu viele Menschen auf beengtem Raum… Es gibt vielerlei Gründe. Ich möchte die Menschen mit meiner Arbeit ein bisschen aufheitern, ihnen ein Lachen schenken und sie glücklich machen.Tommy Fung Instagram Star? Der Gründer von Surreal HK bezeichnet sich eher als Künstler.

Tommy Fung Instagram Star? Der Gründer von Surreal HK bezeichnet sich eher als Künstler.

TRAVELLERS ARCHIVE: Du betreibst mittlerweile einen der berühmtesten Instagram-Kanäle in und aus Hongkong. Was bedeutet das für dich?

TOMMY FUNG:  Naja, berühmt bin ich noch nicht. Ich glaube, das dauert auch noch ein wenig. Für jetzt bedeutet das für mich nur, dass ich noch mehr Qualität in meine Arbeit stecken muss, um meine Follower nicht zu enttäuschen.

TRAVELLERS ARCHIVE: Wie lange brauchst du, um ein Foto zu bearbeiten?

TOMMY FUNG:  Für ein einfaches Motiv brauche ich fünf bis sechs Stunden. Ein schwieriges Motiv kann aber schon mal 12 bis 15 Stunden dauern. Mein Rekord für nur ein Foto liegt, glaube ich, bei 20 Stunden, weil ich mehrere Versionen gemacht habe, bis ich das finale Motiv gefunden habe.

TRAVELLERS ARCHIVE: Du bist in Venezuela aufgewachsen, bist aber vor Kurzem zurück an deinen Geburtsort Hongkong gezogen. Wieso?

TOMMY FUNG:  Die politische und wirtschaftliche Situation in Venezuela ist einfach schrecklich und hoffnungslos. Deswegen habe ich mich dazu entschieden, nach Hongkong zurückzuziehen und bei Null anzufangen.

TRAVELLERS ARCHIVE: Was bedeutet es, als Fotograf in Hongkong zu leben?

TOMMY FUNG:  Oh, das weiß ich nicht. Mittlerweile bezeichne ich mich eher als Künstler und für einen Künstler ist das Leben auf der ganzen Welt hart.

TRAVELLERS ARCHIVE: Nach und nach werden mehr Gebäude und Orte in Hongkong zu sogenannten “Instaspots”. So ist es zum Beispiel mit dem Choi Hung Estate passiert oder mit dem “Monster Building”. Was hältst du von dieser neuen Art des Insta-Tourismus?

TOMMY FUNG:  Ich finde, dass jeder mehr entdecken und vielleicht auch einfach die eigenen Lieblingsorte finden sollte. Hongkong hat so viele schöne Orte und die Möglichkeiten sind endlos.

TRAVELLERS ARCHIVE: Was liebst du an Hongkong?

TOMMY FUNG:  Die Berge, die Inseln, das Meer, den Hafen, die Strände, Wasserfälle, Felsen, Bäume, alte Gebäude, neue Gebäude… und all das an einem so kleinen Ort, an dem man alles unheimlich schnell mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann.

Beitrag teilen

Teilen

Hongkong Reisetipps gibt’s im Travellers Archive Reiseführer. Die Fotos von Surreal HK dürfen nach Abstimmung mit Tommy Fung für diesen Artikel genutzt werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.