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Der Villa Winter an der wilden Westküste der Halbinsel Jandía auf der Kanareninsel Fuerteventura eilt ein Ruf voraus, der von Mysterien und Nazi-Geheimnissen erzählt. Die angeblich dunkle Vergangenheit lockt seit Jahren zahlreiche Besucher nach Cofete und damit in den äußersten Osten der kanarischen Surfer-Insel. Bringt ein Besuch der Prachtvilla Verborgenes ans Tageslicht?

Tipps, Fakten und Deutungsversuche eines geheimnisumwitterten Bauwerks mitten im Nirgendwo.

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Anfahrt

Man erreicht die Casa Winter, wie sie auf Spanisch genannt wird, vom Dorf Cofete kommend. Dass wir es absichtlich nicht als Stadt bezeichnen, ist kein Versehen. Cofete liegt abseits der Zivilisation, und gleichzeitig dermaßen abseits aller touristischer Sehenswürdigkeiten in Fuerteventura, dass es nur wenige Touristen hierherzieht.

Diejenigen, die den beschwerlichen Weg auf sich nehmen, haben meist das gleiche Ziel: die sagenumwobene Villa Winter.

Von Osten kommend führt eine unscheinbare Straße erst durch Cofete und dann weiter in Richtung Strand. Kaum öffnet sich das Panorama dem Dorf zu, wird ein Herrenhaus am Berghang sichtbar. Majestätisch wirkt sie und brachial zugleich. Schon der erste Anblick der Casa Winter lässt erahnen, wie erhaben sie in ihrer Blütezeit gewirkt haben muss – mit ihrer fantastischen Architektur und der herrlich natürlichen Umgebung. Nein, der Bau bettet sich nicht in seine Umgebung ein. Im Gegenteil, die Villa Winter wirkt bis heute wie ein Fremdkörper, in einem Stück Natur, das selbst auf den Kanaren seinesgleichen sucht.Lage der Villa Winter auf Fuerteventura

Lage

Als Kulisse dient der kolossale Pico de Zarza, Fuerteventuras höchster Berg. Gegenüber breitet sich die goldfarbene Sandfläche und das azurblaue Wasser des Playa Cofete wie ein Teppich vor dem Auge aus. Die Gegend ist in jeder Hinsicht bildschön. Ja fast surreal schön. Umso mysteriöser wirkt der Ort, an dem die Villa Winter gebaut wurde.

Geschichte

Gebaut wurde die zweistöckige Villa Winter im Auftrag des 1893 im Schwarzwald geborenen Gustav Winter. Er war ein deutscher Ingenieur, der für seine Verbindungen zur NSDAP bekannt war. Die Villa Winter selbst gilt als Schaltzentrale hinter vielen Projekten auf Gran Canaria und Fuerteventura.

Im Jahr 1939 wurde zwischen General Francisco Franco, dem Mann, der für die gesamten Kanarischen Inseln verantwortlich war, und Adolf Hitler eine Vereinbarung getroffen, um die Halbinsel Jandia in eine Militärzone zu verwandeln. Der beauftragte Ingenieur, Winter, bekam tatkräftige Unterstützung deutscher Arbeiter und politischer Häftlinge aus dem Tefía im Norden von Fuerteventura.

Seine erste Amtshandlung war der Bau der Straße von damals noch unscheinbaren Fischerdorf Morro Jable nach Cofete. Er rekrutierte Einheimische aus den benachbarten Dörfern und ließ sie die Grundpfeiler der Villa Winter errichten. Dabei war das Gebiet rund um Cofete nur tagsüber eine Baustelle, allabendlich jedoch wurde sie zur Sperrzone ernannt, die stark überwacht wurde. Angeblich wurden erst später Teile einer Bahntrasse gefunden.

Mythen

Im Laufe der Jahre tauchten verschiedenste Verschwörungstheorien über die Villa Winter auf. Seither verschwimmen Fakten und Fiktion.

Der fiktionale Roman “Fuerteventura”

Der Schriftsteller Alberto Vázquez-Figueroa schuf mit seinem Roman “Fuerteventura” ein fiktionales Werk über Nazi-Spionage auf der Insel, in dem deutsche U-Boote an den Ufern der Insel auftauchen. Dabei war die Geschichte zwar fiktional, schürte aber auch Zweifel.

„Niemand würde auf die Idee kommen, an einem so abgelegenen Ort ein solches Herrenhaus zu bauen. Wenn man heute sein Leben riskiert, um dorthin zu gelangen, muss es in den vierziger Jahren noch viel gefährlicher gewesen sein. Es muss etwas wirklich wichtig hier versteckt worden sein, dass man ein solches Monster in eine völlig unzugängliche Gegend baut.”

Alberto Vázquez-Figueroa

Versteck, Spionagezentrum oder Wohnsitz?

Einige Spekulationen über die Aufgaben des Gustav Winter und die Funktion der Villa in Cofete halten sich hartnäckig. War die Villa etwa eine Schaltzentrale für einen geheimen U-Boot-Hafen während des Zweiten Weltkriegs? Oder wurden hier Nazigrößen nach dem Krieg vorübergehend untergebracht und ihr Weitertransport nach Südamerika vorbereitet?

War die Villa, mit ihrem prächtigen Turm, den halbrunden Portiken und Fenstern und dem Wappen der Familie Winter über dem Eingang (ein großes W), nur Mittel zu Zweck? Wieso sonst wohnte die Familie angeblich nie selbst in der Villa Winter, sondern in Morro Jable am Meer?

Weniges weiß man sicher. Fakt ist aber, dass das Herrenhaus ungewöhnliche Merkmale aufweist. So hat es teils zwei Meter dicke Wände, ist tunnelartig gebaut und besitzt einen weitläufigen Keller. Fenster gibt es kaum. Zeugen früherer Tage sprechen sogar von abgeriegelten Räumen, engen Gängen, Eisenbahnwaggons, Reagenzgläsern und mysteriösen Kommunikationssystemen.Villa Winter mit Turm

Der Turm

Ein weiteres Mysterium ist der massive Turm der Villa. Hier wurde kein Licht verbaut, sondern eine Laterne als Leuchtfeuer. Bis heute behaupten Einheimische, die Funktion eines provisorischen Leuchtturms darin erkannt zu haben, etwa um U-Boote der Nazis zu navigieren.

Der Brief Görings

Ein weiteres Indiz kam bei Aufräumarbeiten zum Vorschein: ein Brief, der Hermann Göring zugeschrieben wird, seines Zeichens Oberbefehlshaber der Luftwaffe und selbst bis kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wohnhaft in einem ähnlichen Prachtbau in Brandenburg: dem geheimnisumwobenen Carinhall. Mehr dazu erfährt man in unserem Buch über die Uckermark.

52 kleine & große Eskapaden im Barnim und der Uckermark

In dem Schreiben beklagt Göring, „dass auf den Kanaren gemunkelt wird, dass ein Gustav Winter deutsche U-Boote mit Treibstoff versorgt und dies die Aufmerksamkeit feindlicher Spione auf sich zieht.“

Die Landebahn

Bestätigt hingegen ist die Annahme, dass es eine Landebahn im Süden von Jandia gab, die ebenfalls von Gustav Winter erbaut worden sein soll. Während es alte Luftaufnahmen gibt, die die Existent bescheinigen, kann man sie auch heute beim Anflug auf den Flugplatz Puerto de la Cruz erkennen.Landschaft rund um die Villa Winter

Andere Theorien

Die Theorien hören hier natürlich nicht auf. Glaubt man anderen Gerüchten, hatte die Villa Winter einen ganz anderen Zweck. Nämlich als Klinik für plastische Chirurgie, in der hochrangige Nazis nach Ende des Kriegs Gesichtsoperationen unterzogen werden sollten, um sich danach unerkannt nach Südamerika abzusetzen.

Kriegsflüchtlinge sollen in Nacht- und Nebelaktionen per U-Boot und Flugzeug zur Villa Winter gebracht worden sein, was zumindest das Leuchtfeuer und die Landebahn erklären würde.

Andere behaupten, es gäbe versteckte Tunnel, die das Gebäude mit dem Strand von Cofete verbinden. Bis heute hält sich sogar das Gerücht, die Villa sei der Zufluchtsort von Adolf Hitler selbst und seiner Frau Eva Braun gewesen.

Und was geschah mit Winter?

Das Kuriose: Spanien lieferte Gustav Winter, der nach dem Zweiten Weltkrieg als Nazi-Spion beschuldigt wurde, nicht aus. Bis zu seinem Tod im Jahr 1971 lebte er unbehelligt in Las Palmas auf Gran Canaria. Und die Villa Winter? Sein einstiges Domizil befindet sich seit 1997 im Besitz der spanischen Lopesán-Gruppe. Die Pflege des weitläufigen Hauses wird einem Wärter überlassen, der Besucher gegen ein kleines Trinkgeld hereinlässt.Villa Winter Eingang

Besuch

Im Folgenden findet ihr alle wichtigen Infos und Tipps für euren Ausflug zur Villa Winter.

Eintrittspreise und Öffnungszeiten

Die Villa Winter hat keine genauen Öffnungszeiten. Die meisten Touristen kommen jedoch mit dem Allradbus des öffentlichen Verkehrs im Naturpark Jandia nach Cofete. Auch gibt es keinen festen Eintritt. Stattdessen erlaubt der Hausmeister den Zutritt gegen ein Trinkgeld.

Essen & Trinken

Wer den Ausflug zur Villa Winter wagt und ihn mit einem Besuch des Playa de Cofete verbindet, der findet nur im gleichnamigen Städtchen Cofete ein einziges Restaurant namens Restaurante Cofete Pepe El Faro. Stoppt hier für einen Cortado oder stärkt euch mit landestypischen Speisen wie Papas con Mojo, Gofio oder Paella.Mit dem öffentlichen Bus von Morro Jable nach Cofete in JandiaAnreise mit dem Mietwagen

Anreise

Mit dem Bus

Von Puerto del Rosario fahren die Buslinien 1 und 10 nach Morro Jable erreichen.

Mit Allrad-Minibus

Von Morro Jable aus geht es mit einem Allrad-Minibus weiter auf die Halbinsel Jandia und nach Cofete. Er fährt um 10:00 Uhr und um 14:00 Uhr und kostet lediglich 2,50 € pro Strecke. Er hält in Cofete, am Leuchtturm Punta Jandia und in Morro Jable. Den letzten Weg zur Villa Winter muss man zu Fuß gehen.

Mit dem Auto

Einfacher und stressfreier geht die Anreise zur Villa Winter mit einem Mietwagen. Beachten sollte man dabei, dass der Weg von Morro Jable zum Leuchtturm und weiter zur Villa Winter steinig und uneben ist. Ohne einen Allradwagen sollte man sich nicht auf diese Piste wagen, auch wenn es viele trotzdem tun.

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Geführte Touren im Nationalpark Jandia & zur Villa Winter

Wenn ihr keine Lust habt, selbst mit dem Auto durch den Nationalpark zu fahren, dann ist eine geführte Tour genau das Richtige für euch. Dabei seid ihr dann in verdammt coolen Land Rovers quer im Nationalpark unterwegs, entdeckt die windigste Stelle des Parks, den Playa de Cofete und die Villa Winter.

Hier könnt ihr euch die geführten Touren mal im Detail anschauen – und direkt im Voraus buchen:

Geführte Tour im coolen Land Rover
Quadtour im Naturpark Jandía
Buggy Tour im Jandia NaturparkInnenhof der Villa WinterFriedhof am Playa Cofete

Fazit

Lohnt sich der Besuch der Villa Winter?

Es ist unmöglich zu sagen, was dran ist an der Legende der Villa Winter. Fest steht, dass es sich um ein mysteriöses Gebäude handelt, das bei Forschern, Journalisten, Schriftstellern und anderen Neugierigen bis heute großes Interesse weckt.

Ein Ausflug zur Villa Winter ist nicht einfach und schon gar nicht schnell oder bequem. Wer sich jedoch für Mythen, Architektur und vor allem die atemberaubende Natur der Halbinsel Jandia interessiert, der sollte den Abstecher zur Casa Winter unbedingt auf sich nehmen. Alleine der Blick auf den Pico de Zarza, Fuerteventuras höchsten Gipfel und den nahezu unberührten Playa Cofete ist den Besuch wert.

Von wo aus man die bilderbuchhafte Villa Winter auch betrachtet, es umweht sie ein mysteriöser Charme, der die ganze Halbinsel wie ein Schleier umfasst.

Tipps

  1. Das Buch “Fuerteventura”
    Einlesen kann man sich in dem fiktionalen Roman “Fuerteventura” des spanischen Schriftstellers Alberto Vázquez-Figueroa:
    Zum Roman “Fuerteventura”
  2. Die Dokumentation “Hunting Hitler”:
    2015 produzierte “History” die mehrteilige Dokumentation „Hunting Hitler“, zu deutsch: „Hitlers Flucht: Wahrheit oder Legende?“. Dabei befasst sich ein Teil der ersten Staffel Teil mit Spekulationen über die Villa Winter. Der Ausschnitt ist umsonst auf YouTube zu sehen.
    Zum Video

Plant ihr einen Ausflug zur Villa Winter?

Wir freuen uns auf eure Fragen, Anregungen und Eindrücke. Hinterlasst einen Kommentar

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