Tuve: Boutique Hotel Hongkong Causeway Bay

 

Wenn man zwischen Schilderwald und Neonreklamen die Ampel nicht mehr sieht, ist man in Hongkong. Dort, wo tagein, tagaus tausende Menschen gleichzeitig die Straßen überqueren, von einer U-Bahn zur anderen hetzen und in knallrote Taxis durch die Straßenschluchten heizen.

Mitten in diesem Wirrwarr aus Farben, Geräuschen und Gerüchen versteckt sich ein unscheinbarer grauer Betonblock mit dem wohl schönsten rostigen Metal-Elementen in ganz Asien: das TUVE Hotel Hongkong. Eine Oase der Ruhe und des Designs. Ein Boutique Hotel Hongkong.

Der erste Eindruck

Eine schwere und unscheinbare oxidierte Metalltür führt in das Gebäude des TUVE Hotels Hongkong. Es gibt kein Schild, keine Notiz, keine Möglichkeit, das TUVE einfach mal so zu erkennen. Ganz im Gegenteil. Ein Aufenthalt hier ist kein Zufall – es ist ein geplantes Attentat auf das Chaos von Hongkong. Stattdessen: Monotonie und Designliebe.

Das Konzept: Boutique Hotel Hongkong

Auf das TUVE Hotel passen mehrere Konzepte. Da wäre „weniger ist mehr“, „Farben mögen wir nicht“, „Design ist alles“ oder einfach nur: „Klasse durch Minimalismus“. Wir entscheiden uns für Letzteres, denn das zieht sich von den nicht vorhandenen Schildern am Eingang über die eintischige Rezeption bis hin in das Zimmer, das in den Farben grau, weiß und schwarz erstrahlt – oder eben nicht.

Das TUVE Hotel ist die Hongkonger Antwort auf japanischen Minimalismus. Der hat so viel Grazie, das man als Mitteleuropäer konstant Komplexe bekommt. Doch hier hatte kein Japaner seine Hände im Spiel. Das TUVE ist ein Meisterwerk aus Beton, Metall und extrem dezenter Farbe in einer überaus kolorierten und vor Neonschildern nur so berstenden Stadt. Chapeau!

Die Grundidee zum TUVE Hotel Hongkong kommt noch überraschender: sie steckt in den eigenwilligen Fotografien des dänischen Landschaftsfotografen Kim Høltermand. Er lässt schwedische Seen so mystisch aussehen, dass jede Szenerie ein ganz einzigartiges Flair hat. Aus genau diesen Werken ließ das Hotelteam des TUVE Hotels Hongkong ein Hotel werden und beauftragte dafür das Hongkonger Designstudio Design Systems. Hat geklappt, das ist sicher.

Die Location

Das TUVE Hotel Hongkong liegt mitten im hippen Tin Hau District und damit einer Mischung aus dem quirligen Alltag der Einheimischen und einer aufstrebenden Kunst- und Genussszene. Gerade einmal fünf Minuten zu Fuß vom beschäftigten Causeway Bay entfernt, ist Tin Hau eine der ruhigeren Gegenden in Hongkong. Hier kann man sich noch durch die Straßen treiben lassen, ohne gleich einem Herzinfarkt nahe zu sein. Hier fühlt sich ein normaler Wochentag an wie ein Sonntag. Zum Beispiel auf der zentralen Electric Road mit ihren Shops, Bars und Restaurants.

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Das Flair

Schonmal in einem Kunstatelier geschlafen? Ein Aufenthalt im TUVE Hotel in Hongkong fühlt sich an wie ein Besuch in einer Ausstellung, einer Inszenierung, in der man für kurze Zeit zu Gast ist. Dort wirken Schatten aufeinander ein und Licht schmiegt sich an Betonwände. Dort fühlen sich einzelne Detail-Elemente an wie Mitbewohner. Nur gucken, nicht anfassen – so wirkt das TUVE.

Das Hotel vermittelt Ruhe. Aber nicht jene Ruhe, die man bei einer Massage hat, sondern Ruhe, wie in einer Art Kokon. So, als hätte jemand ganz Hongkong für einen kurzen Moment lautlos gestellt. Das kommt alles mit einer solchen Coolness um die Ecke, dass man heute lieber das schwarze Shirt statt das gelbe anzieht. Denn auffallen ist das, was man hier am wenigsten will.

Die Ankunft

Einen Ton macht der Fahrstuhl nicht, als wir auf der ersten Etage des TUVE Hotels in Hongkong ankommen. Natürlich nicht. Die schwarze Fahrstuhltür öffnet sich und wir stehen in der Lobby, die nur sporadisch beleuchtet ist und aus nichts anderem besteht, als einem riesigen Tisch aus Marmor. Der sanfte Geruch von Sandelholz umweht unsere Nasen. Im Hintergrund plätschert ruhige Musik.

Der Check-in

Der Empfangsbereich ist ruhig. Es sind keine anderen Gäste da, es klingelt kein Telefon und auch die im Dunkeln dumpf leuchtenden Rechner der beiden Angestellten verstecken sich irgendwo zwischen Marmor und Tisch. Der Service kommt so zweckmäßig und lässig daher, dass es sich gar nicht anfühlt wie ein Hotel-Check-In – so cool, wie das ganze Hotel bisher. Und wir haben es gerade einmal in die erste Etage geschafft.

Das Zimmer

Mit dem ersten Schritt in das Zimmer im TUVE Hotel in Hongkong ist klar, dass hier alles einen Sinn hat. Das Bett steht an genau der Stelle, an der es stehen soll. Genauso wie ein Stuhl in einer Ecke, das Telefon auf dem Tisch und all die anderen wenigen Dinge, die sich hier befinden. Dekorationen gibt es kaum. Einzig ein paar goldene Spritzer pimpen die sonst grauen Betonwände des Zimmers. Der gesamte Raum hat sich nur dem Nutzen verschrieben – und ist dabei verdammt cool. Die Rohmaterialien, die Farben, das Grau, das Weiß, das Schwarz – alles passt perfekt zusammen und vermittelt, trotz der kühlen Farbgebung, ein warmes Gefühl.Tuve: Boutique Hotel Hongkong Causeway Bay

Tuve: Boutique Hotel Hongkong Causeway Bay

Das Badezimmer ist ein Zimmer für sich – eine Sinfonie aus Metall und Glas. „20 Personen passen hier mindestens rein“, wird uns auf Nachfrage bestätigt.
Die Kulinarik

Das TUVE Hotel hat weder eine Frühstücksoption, noch bietet es Abendessen an. Schlimm ist das aber nicht. Es befindet sich in einer Gegend, in der es unzählige Cha Chaan Tengs gibt, die typischen Hongkonger Frühstückscafés. Damit man auch im richtigen landet, gibt es direkt beim Check-in eine minimalistische Karte mit den besten Cafés des Viertels.

Das Besondere

Im TUVE Hotel macht alles Sinn. Die wenigen Dinge, die sich in den Räumlichkeiten befinden, sind alles andere als 0815. Ganz im Gegenteil. Alles ist durchdacht, alles aufeinander abgestimmt. Die Minibar im Zimmer besitzt eine ausgewählte Kollektion von High-Quality-Produkten: schickes Antipodes-Wasser, das in einer schick designten Flasche daherkommt, Fevertree Tonic und Potocki Wodka, einer echten Besonderheit.

Auch im Bad gibt’s nicht das einfache Shampoo aus der cremefarbenen Plastikflasche, sondern Duschbad mit Stil von der New Yorker Edelmarke Le Labo.

Der letzte Eindruck

Ein letztes Mal mit dem schwarzen Fahrstuhl in die gedimmte Lobby fahren, dem Geruch von Sandelholz folgend. Ein letztes Mal durch den schummrigen Gang in Richtung Metalltür gehen. Ein letztes Mal das schwere Tor aufstemmen und mit einem großen Knall hinaus fallen aus diesem einzigartigen Designkokon: dem TUVE Hotel Hongkong.

Zurück in der Realität der lauten Großstadt wirkt das eben Verlassene sofort unwirklich. Ein surrealer Ort, der so anders, so viel ruhiger und so viel geordneter wirkt, als Hongkong selbst. Ein Ort, den man kaum in Worte packen kann, denn auch diese scheinen schon zu viel zu sein. Und vor allem: zu wenig minimalistisch.

Erster Eindruck
8/10
Konzept
9/10
Location
8/10
Ankunft
9/10
Zimmer
8/10
Besonderes
10/10
Letzter Eindruck
8/10

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Die Reise wurde unterstützt vom TUVE. Mehr zu unseren Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit gibt es hier.

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